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Warum wurde das Brandenburger Tor gebaut?

Schon über 200 Jahre ist das Brandenburger Tor das Wahrzeichen Berlins. Seit dem Mauerfall im Herbst 1989 ist es aber vor allem eines: das Symbol der deutschen Einheit. Touristen aus aller Welt nehmen das Brandenburger Tor zum Anlass, nach Deutschland zu reisen, lassen sich davor fotografieren und kaufen Souvenirs, die das Tor in seiner ganzen Pracht abbilden. Was allerdings die wenigsten wissen, ist, wie und warum das Berliner Wahrzeichen überhaupt gebaut wurde.


Das Brandenburger Tor im Herzen Berlins
Sehenswürdigkeit für Touristen aus aller Welt: das Brandenburger Tor im Herzen Berlins

Der Vorgängerbau des Brandenburger Tors

Um das Jahr 1670 wurde im heutigen Berliner Ortsteil Mitte die Dorotheenstadt errichtet. Sie wurde in die Stadtbefestigung Berlins, die ebenfalls im 17. Jahrhundert entstand, miteinbezogen. Damit Händler und Reisende in die Dorotheenstadt gelangen konnten, wurde ein Tor zwischen den Befestigungsmauern errichtet – und genau an diesem Ort steht heute auch das Brandenburger Tor.

Zum damaligen Zeitpunkt glich die Stadtbefestigung eher einem Wall, als einer Mauer und so entschloss man sich im Jahr 1734, eine richtige Zollmauer rund um die Stadt Berlin zu errichten. Da musste natürlich auch ein neues Tor her. Dieses wurde durch Philipp Gerlach, einem preußischen Architekten, errichtet.

Der Abriss des alten und der Bau des neuen Brandenburger Tors

Bereits 54 Jahre nach dem Bau des alten Brandenburger Tors, wurde es im Jahr 1788 wieder abgerissen.

Der Grund: Friedrich Wilhelm II. Wünschte sich ein Bauwerk, das seine innen- und außenpolitische Herrschaft repräsentiert. Der damalige preußische König wollte sich als der Herrscher darstellen, der Preußen in ein goldenes Zeitalter führen und eine lange Friedenszeit herbeiführen würde. Deshalb wollte man das Tor ursprünglich auch „Friedenstor“ nennen.

Friedrich Wilhelm II. verfügte, dass die Flügelbauten sowie die schmückende Ausstattung dafür sorgten, dass das Tor nach innen gerichtet zu sein scheint. Denn vor allem sollten diejenigen, die in der Stadt wohnen, die Herrschermacht des Königs erkennen und nicht etwa jene, die das Tor von außen betrachten.

Mit der Umsetzung des Baus wurde Carl Gotthard Langhans betraut. Es wird davon ausgegangen, dass er direkte Anweisung von Friedrich Wilhelm II. hatte, das Tor nach dem Vorbild der Propyläen zu errichten.

Info: Die Propyläen bilden die Eingangstore zur Akropolis Athens. Sie gelten bis heute als monumentales und repräsentatives Bauwerk, obwohl ihr Bau nie abgeschlossen wurde.

Die künstlerische Ausgestaltung

Das 20,3 Meter hohe und 62,5 Meter breite Brandenburger Tor sollte allerdings nicht nur ein architektonisches Kunstwerk werden. Aufgewertet wurde es bereits während, aber auch nach der Bauphase mit zahlreichen Malereien, Reliefs und Skulpturen.

Die wohl bekannteste Skulptur des Berliner Wahrzeichens ist bis heute die Quadriga, die auf dem Brandenburger Tor thront. Sie war bereits während der Bauphase vorgesehen und wurde Mitte 1793 auf das Tor gebracht und dort verankert. Die kupferne Skulptur besteht aus vier 3,77 Meter hohen Pferden, die eine Kutsche ziehen, in der die Siegesgöttin Viktoria steht.

Die heutige Skulptur, die sich auf dem Brandenburger Tor befindet, ist allerdings nur eine Nachbildung der ursprünglichen Quadriga. Von dieser ist nämlich nur noch ein Pferdekopf vorhanden, der im Märkischen Museum ausgestellt wird.

Auf der Berlin zugewandten Seite wird das Tor direkt unterhalb der Quadriga durch ein Sandstein-Relief geschmückt. Dieses stellt Herkules und viele andere Götter dar, die wiederum als ein Zeichen der Tapferkeit verstanden werden sollen.

Auf der Ost- und auf der Westseite des Tors befindet sich direkt am Gebälk die Metopen-Triglyphen-Friese. Dabei handelt es sich um große quadratische Reliefs. Weitere Ausschmückungen mit Reliefs wurden 1792 an den Durchgängen des Tors angebracht. Zudem befindet sich in den Außenwänden des Brandenburger Tors jeweils eine Nische. Im Jahr 1794 wurden in die Nische der Südseite eine Skulptur von Mars und in die Nische der Nordseite eine Skulptur von Minerva aufgestellt.

Schäden die das Brandenburger Tor davontrug

Nachdem die Preußen im Jahr 1806 eine Niederlage gegen Napoleon erlitten hatten, verschleppte dieser die Quadriga nach Paris. Sieben Jahre später konnte die Allianz den französischen Herrscher allerdings besiegen. So konnte die Quadriga zurückgeholt und wieder an ihrem ursprünglichen Platz auf dem Brandenburger Tor aufgestellt werden.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt das Tor enorme Beschädigungen. Bombenangriffe hatten die Plastiken so stark beschädigt, dass sie im Jahr 1956, während der Rekonstruktion des Tors, entsorgt und durch Kopien ersetzt werden mussten.

Weitere Schäden trug das Brandenburger Tor in der Silvesternacht 1989/1990 davon. Ein Jahr zuvor am 22. Dezember 1989 – kurz nach dem eigentlichen Mauerfall – wurde das Brandenburger Tor für West und Ost geöffnet und gilt seither als das Symbol des Falls der Berliner Mauer.

Tipp: Die Berliner Mauer wurde nicht ohne Grund errichtet. Warum die Deutsche Demokratische Republik ihre Bewohner Jahrzehnte lang einschloss, erklären wir in diesem spannenden Artikel: Warum wurde die Berliner Mauer gebaut?

Zwei Jahre, nachdem das Brandenburger Tor die Beschädigungen erlitten hatte, wurde es restauriert. Durch die Umwelteinflüsse der Jahreszeiten entstanden in den nächsten Jahren weitere Schäden.

Daher wurde das Berliner Wahrzeichen erneut restauriert und am 3. Oktober 2002 feierlich enthüllt.

Zusammenfassung zum Brandenburger Tor

Der Bau des so prächtigen Brandenburger Tors war ursprünglich gar nicht geplant. Ende des 17. Jahrhundert diente der Ort, an dem es heute steht, lediglich als Durchlass für Händler und Reisende.

Erst Friedrich Wilhelm II. machte das Brandenburger Tor zu dem, was es heute ist. Allerdings musste es in den letzten 200 Jahren vieles mitmachen: Napoleons Krieg gegen Preußen und die Verschleppung der Quadriga, den Zweiten Weltkrieg, die Teilung Deutschlands in Ost und West und den Fall der Berliner Mauer.

Doch nach zahlreichen Restaurierungen sieht es wieder fast so aus, wie es sich der preußische König Friedrich Wilhelm II. einst vorgestellt hat.

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