Warum zittert man bei Kälte?

Verlassen wir das Haus in der kalten Jahreszeit ohne warm genug angezogen zu sein, stellen wir uns oft die Frage: Warum zittert man eigentlich? Die knappe Antwort liegt auf der Hand. Es liegt an der Kälte. Erschwerend geht mit der kalten Jahreszeit auch gerne eine Erkältung einher, doch selbst nach Mamas wärmender Hühnersuppe fangen wir wieder an zu zittern. Doch warum genau zittern wir, wenn wir frieren und was bezweckt unser Körper mit dem Zittern? Wir klären diese Frage!


Die Antwort auf die Frage warum zittert man.

Darum zittert man bei Kälte

Wir können über die sogenannten Thermorezeptoren Temperatur, beziehungsweise ihre Veränderung wahrnehmen. Es gibt sowohl Kalt- als auch Warmrezeptoren, die auf unseren Körperregionen unterschiedlich verteilt liegen. Als besonders empfindlich gilt unsere Nase mit etwa 10,5 Kaltpunkten pro Quadratzentimeter. Registriert unser Körper durch diese Temperaturen nun also Kälte, so beginnt er mitunter zu zittern. Dieser Vorgang macht sich meist am gesamten Leib bemerkbar. Unser Körper setzt auf verschiedene Methoden, effektiv mit umgebender Kälte umzugehen. An erster Stelle steht hierbei die Sicherung und Aufrechterhaltung der Funktionen lebenswichtiger Organe.

Wärmeverlust minimieren

Neben vielen für das Überleben wichtigen Funktionen ist unser Körper unter anderem für das Vermeiden von Wärmeverlust zuständig. Verliert der Mensch Wärme, bedarf es mehr Energie, die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Deshalb agiert unser Körper frei nach dem Motto: „Save energy, whatever it costs!“. Im Umkehrschluss bedeutet das für uns, dass bei kühlen Außentemperaturen entsprechende Körperprozesse aktiviert werden, die einen Energieverlust minimieren sollen.

Warum zittert man nur bei Kälte?

Eine grundsätzliche Maßnahme bei kalten Temperaturen ergreift der menschliche Körper insofern, als dass die Schweißproduktion eingestellt wird. Das geschieht aus dem Grund, die durchs Schwitzen entstehende Verdunstungskälte zu vermeiden. Diese wird nämlich nur von unserem Körper benötigt, wenn die Außentemperatur sehr warm ist. Mit ihr kühlt der Körper vor allem bei trockener und warmer Luft schneller ab. So gesehen ist dies ein vollkommen gegenteiliger Vorgang des Zitterns.

Muskelkontraktionen schaffen Luftpolster

Kleinste Muskeln in unserer Haut kontrahieren und man bekommt die Gänsehaut, wie das Phänomen auch umgangssprachlich bezeichnet wird. Dabei stellen sich unsere feinen Körperhaare auf dem ganzen Körper verteilt auf. Es entsteht eine Art Luftpolster. Dieses soll dafür sorgen, dass eine vom Körper erwärmte Luftschicht nah an unserer Hautoberfläche bleibt. Das können wir uns ähnlich der Funktion einer Bettdecke vorstellen – liegen wir zugedeckt im Bett, ist es zumeist anfangs noch kalt. Sobald sich die Luft zwischen uns und der Bettdecke allerdings erwärmt hat, haben wir es lange Zeit kuschelig. Unser Körper muss dann nicht mehr so viel Energie aufbringen, um für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur zu sorgen.

In längst vergangenen Zeiten bedeckte die Haut des Menschen noch eine sehr ausgeprägte Körperbehaarung, man kann fast von einem Fell sprechen. Damit war bei schlechtem Wetter stets sichergestellt, dass die Haare den Menschen förmlich von den äußeren Witterungsbedingungen isoliert haben. Im Laufe der Evolution verloren wir allerdings diese starke Körperbehaarung und so greift unser Körper nun zu ausgefeilteren Methoden wie etwa der Bildung von Gänsehaut.

Durchblutung lebenswichtiger Organe sicherstellen

Nicht nur die Muskelkontraktionen der Haut sorgen für den essentiellen und wärmesichernden Vorgang des Zitterns. Auch die arteriellen Hautgefäße werden durch Muskeln zusammengezogen, was für eine verringerte Hautdurchblutung sorgt. Das wiederum soll sicherstellen, dass wichtige innere Organe ausreichend mit Blut versorgt werden können. Auch die Temperatur des Rückenmarks und Gehirns wird so versucht, aufrecht zu erhalten.

Kontraktion der Muskeln schafft Wärme

Je nach körperlicher Fitness besteht der menschliche Körper aus circa 30 bis 40 Prozent Muskelgewebe. Insgesamt kommen wir auf über 600 verschiedene Muskeln. Eine beachtliche Zahl! Und die machen wir uns auch bei winterlichen Temperaturen zu nutze. Die klassischen, wackelnden Bewegungen beim Zittern sind letztlich nichts Anderes als Muskelkontraktionen. Sie werden durch das Anspannen und Entspannen der Muskelpartien realisiert. Es ist allgemein bekannt, das Reibung auch Wärme erzeugt. Und so ist die Kontraktion der Muskeln beim Zittern auch nichts anderes, als eine effektive Methode der Wärmegenerierung.

Warum zittert man unterschiedlich stark? Je nachdem wie kalt uns ist, reagiert unser Körper darauf mehr oder weniger. Ist es besonders schlimm, erleben wir sogar oft das Zähneklappern. Dann sind die Muskelkontraktionen besonders stark und wir können sie kaum willentlich stoppen. Doch umso mehr die einzelnen Muskeln kontrahieren, desto mehr Wärme wird von uns erzeugt.

Warum zittert man aus anderen Gründen

Nicht immer zittern Menschen, weil ihnen kalt ist. Mache Leute zittern am ganzen Körper, Stress ist mitunter die Ursache dafür. Auch Schlafentzug und Müdigkeit schwächt unseren Körper und kann für zittern und Augenringe sorgen. Wer abhängig von bestimmten Substanzen ist, wird im Entzug auch oft vom Zittern heimgesucht. Doch auch Krankheiten können die Ursache für ein verstärktes Zittern sein. So ist Zittern etwa ein typisches Symptom für Parkinson. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, einen Arzt zu konsultieren, wenn unkontrolliertes Zittern im Alltag auftaucht.

Über den Autor
Karl Wintermann

Karl berichtet als Redakteur bei warum-wieso.de über die verschiedensten Phänomene des Alltags. Neben dem Schreiben liebt er Kaffee und Schokolade.